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Die Bedürfnisse der Älteren im Blick – 3. Online-Konferenz diskutiert über Nachbarschaftshilfe, Nahversorgung, Mobilität und Wohnen

Laut Demographiespiegel für Bayern wird die Bevölkerung in der LEADER-Region REGINA-Neumarkt weiter wachsen, und zwar bis zum Jahr 2033 um 4,6 Prozent auf 121.560 Einwohner. Ebenso wird sich die Bevölkerungsstruktur verändern. Zwar wird es einen Anstieg der unter 18-Jährigen geben (was nicht in allen Regionen Bayerns so ist), aber der Anteil der über 65-Jährigen wird ebenfalls steigen und zwar um 42 Prozent. Passend dazu wurden bei der 3. Online-Konferenz am 24. März, die sich für die neue Entwicklungsstrategie mit einer resilienten Entwicklung der Region auseinandersetzte, die Bedürfnisse der älteren Menschen in den Fokus genommen und über zukünftige Herausforderungen bei der Nachbarschaftshilfe, der Nahversorgung, der Mobilität und beim Wohnen diskutiert. „Wir sind auf einem guten Weg mit unserer neuen Entwicklungsstrategie“, schätzte der 1. Vorsitzende der LEADER-Aktionsgruppe, Landrat Willibald Gailler ein und lobte, dass erneut viele Ideen für die Zukunft gesammelt werden konnten.

Gut aufgestellt ist die Region bei den Nachbarschaftshilfen, die sich zu 80 Prozent ihrer Tätigkeit um die älteren Menschen in den Gemeinden kümmern, wurde zu Beginn der Diskussionsrunde als Stärke festgehalten. Jedoch wird Bedarf für mehr Angebote in diesem Bereich gesehen, ebenso für eine Art „Betreutes Wohnen zu Hause“. Als Grund wurde dazu angeführt, dass vor allem in den Neubaugebieten aus den 1960er und 1970er Jahren immer mehr ältere Menschen alleine wohnen: „Die wollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben, benötigen aber Hilfe beim Haushalt oder eine Unterstützung beim Arztbesuch“, wusste eine Seniorenbeauftragte aus Pyrbaum zu berichten. Ihr Vorschlag lautete deshalb: In Pyrbaum eine oder mehrere feste Stellen für die Haushaltshilfen einrichten. Das ließe sich auch als System auf die ganze Region übertragen, wurde der Gedanke fortgeführt, ähnlich wie dies von einem Dienstleistungszentrum bereits für rund 170 Haushalte im Unterallgäu angeboten wird. Weiterer Bedarf wird auch bei Tagespflege gesehen, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten.

Zur Anbindung an den ÖPNV wurde die Schwierigkeit genannt, dass viele Ortsteile kilometerlang vom Zentrum der Gemeinde entfernt liegen. Weiter wurde kritisiert, dass die Bahnhöfe wie z. B. der in Seubersdorf nicht barrierefrei ausgebaut sind, was vor allem für Menschen mit Rollator oder Kinderwagen ein Problem ist. Positiv ist hingegen, dass es im Landkreis Neumarkt flächendeckend Rufbuslinien gibt und sogar vier Anrufsammeltaxis verkehren. Dieses Angebot sollte in der Region aber noch bekannter gemacht werden, wurde dazu vorgeschlagen. Optimierungsbedarf besteht auch bei den Abfahrtszeiten, „da sie nicht zu den Bedürfnissen der Senioren passen“, wurde gesagt. Viele der Rufbusse sind sogar barrierefrei und können auch von Fahrgästen mit Rollator, Rollstuhl oder anderen Hilfsmitteln genutzt werden. „Für den Arztbesuch ist der Rufbus trotzdem nicht geeignet“, befand ein Teilnehmer und verwies auf das mehrmalige Umsteigen, das mit einem Rollator von älteren Einwohnern kaum zu bewerkstelligen sei.

Kritik gab es auch an den Mitfahrerbänken, die an einigen Stellen aufgestellt wurde. Viele Ältere würden sich aber nicht trauen, bei „Fremden“ mitzufahren, war eine Meinung. Als Anregung wurde dazu eine Idee aus dem Spessart aufgegriffen, bei der Bürger fahren Bürger als gute alte Fahrgemeinschaft wiederbelebt wurde. 

Aus Lauterhofen konnte eine Seniorenbeauftragte von einem Einkaufsbus berichten, der für Senioren gedacht ist, die nicht mehr gut zu Fuß sind und die kein eigenes Fahrzeug haben. Ein ähnliches Beispiel stammt aus Weißendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt, wo seit 2017 ein Kleinbus als Bürgerbus im Einsatz ist. Als Ergänzung ist für Lauterhofen noch ein Hol- und Bringdienst angeregt worden. 

Zum Thema Nahversorgung wurde kritisch angemerkt, dass einige Supermärkte in den letzten Jahren an den Ortsrändern entstanden sind. Positiv wurden die Dorfläden der Region hervorgehoben, die es etwa in Deusmauer und Hohenfels gibt und die damit auch dafür sorgen, dass die Wertschöpfung auf dem Land bleibt und nicht in die Kreisstadt abwandert, wurde erläutert. Bedarf für einen Dorfladen gibt es eventuell in Berngau, wo der „Tante-Emma-Laden“ in der Ortsmitte schon vor längerer Zeit schließen musste oder auch in den Siedlungen als „Leuchtturmprojekt“. Ein Ansatz für die Zukunft liegt auch in Regionalboxen ohne Personal, wo neben den Dingen des täglichen Bedarfs auch Produkte von Bauern und Kleinproduzenten aus der Umgebung zu finden sind. Diese und weitere Versorgungstrategien sollen am 6. April um 19:00 Uhr via Zoom in einem Workshop Nahversorgung der REGINA GmbH im Rahmen des  Projektes „mobil und gut versorgt im Landkreis Neumarkt“ diskutiert werden. Anmeldungen sind unter info@reginagmbh.de möglich. 

Letztes Thema der Online-Konferenz war das Wohnen und mehrere Teilnehmer warben dafür, älteren Bürgern, die in großen Häusern leben, Alternativen wie z. B. eine Eigentumswohnung anzubieten. Sinnvoll sind auch Mehrgenerationenhäuser oder Häuser, wo jung und alt zusammen unter einem Dach leben können, wurde ergänzt. „Miteinander wohnen bedeutet Qualität für alle“, lautete mit Blick auf das Flächensparen eine abschließende Meinung.

Die Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung und -prognose finden Sie hier.