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Bericht 2. Online-Konferenz- Vernetzung von Biotopflächen und Bio-Lebensmittel aus der Region

2. Onlinekonferenz diskutiert über die Zukunft der Kulturlandschaft in der LEADER-Region REGINA-Neumarkt

Bei der zweiten Online-Konferenz, die am 9. März für die Erarbeitung der neuen Entwicklungsstrategie stattfand, ging es um die Themen Ressourcenschutz, Artenvielfalt und die Zukunft der Kulturlandschaft. Ansatzpunkte für eine resiliente Entwicklung der LEADER-Region REGINA-Neumarkt werden schwerpunktmäßig in der Vernetzung von Biotopflächen und Bio-Lebensmitteln aus der Region gesehen, fasste die Geschäftsführerin der REGINA GmbH, Kathrin Kimmich die anregende Diskussion zusammen, an der auch Landrat Willibald Gailler teilnehmen konnte.

Als wichtiger Akteur der Kulturlandschaft wurde zu Beginn der Diskussion der Landschaftspflegeverband identifiziert, der über 130 Maßnahmen pro Jahr durchführt, um naturnahe und natürliche Lebensräume zu schaffen oder zu erhalten. Dafür bildet das Arten- und Biotopschutzprogamm des Landkreises Neumarkt eine wichtige Grundlage. Allerdings stammt das Programm aus dem Jahr 1995 und sollte vom Landesamt für Umwelt dringend aktualisiert werden, wurde gesagt. Eine wichtige Rolle spielt auch der Naturschutzbeirat. Dazu wurde gewünscht, dass dieser regelmäßig zusammenkommen sollte. Wünschenswert wäre auch ein runder Tisch zum Thema Biber, der mit den unterschiedlichen Interessengruppen die Probleme mit dem Biber lösen könnte. Stark vertreten in der Region sind auch die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine sowie der Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Kulturlandschaften werden seit jeher von den Menschen geprägt, die sie bewirtschaften, wurde zum Hintergrund erläutert und auf das Nachhaltigkeitsprinzip „Schutz durch Nutzung“ verwiesen, das sich nur gemeinsam mit den Flächennutzern und Eigentümern umsetzten lässt. So ist beispielsweise eine Beweidung mit Schafen vielerorts Voraussetzung dafür, dass Flächen offen bleiben und sich bestimmte Arten ansiedeln und überleben können. Eine wesentliche Rolle spielen in der Region die 2.000 landwirtschaftlichen Familien-Betriebe, hob der Vertreter des Neumarkter Landwirtschaftsamtes hervor und konnte das mit weiteren Zahlen ergänzen: „Allein 2.000 Hektar werden extensiv bewirtschaftet und es gibt in unserem Gebiet rund 1.000 Hektar an Blühflächen“. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister bzw. der Gemeindeverwaltung, wurde aus Freystadt dazu genannt.

Gegenüber früher hat sich die Kulturlandschaft jedoch deutlich verändert und das hat zu einem dramatischen Verlust der Artenvielfalt geführt, wurde von mehreren Teilnehmern eingeschätzt. Ein Naturschutzbeauftragter empfahl, ein Video von 1974 über die damalige Flurbereinigung anzuschauen, das über die BR-Mediathek abrufbar ist: „Früher war die Landschaft viel kleinteiliger. Es gab Hecken und sogar Fasane, die ich bei uns jedoch noch nie gesehen habe.“ Genauer wurde auf kleine, feuchte Strukturen bzw. Lebensräume wie Tümpel oder Quellen eingegangen, die in den letzten Jahren verloren gegangen sind, die aber für die Amphibien lebenswichtig sind. „Der Grasfrosch droht auszusterben“, wurde kritisiert. Immer weniger werden auch die offenen Flächen, die beispielsweise die Gewöhnliche Gebirgsschrecke, eine gefährdete Heuschreckenart der Oberpfalz benötigt, war ein weiterer Hinweis. Für die Zukunft wurde daher empfohlen, die Offen-Lebensräume stärker zu vernetzen. Das wäre auch für die LEADER-Förderung interessant und über ein Projekt könnte pilothaft gezeigt werden, wie Biotope miteinander vernetzt werden können. Außerdem würde es sich anbieten, Ausgleichsflächen zu integrieren, die gesetzlich vorgeschrieben sind, wenn Natur durch Baumaßnahmen zerstört wird. Welche Flächen dafür infrage kommen, kann über den Ausgleichsflächenfinder AuFi des LBV ermittelt werden.

Kritisch wird auch der Ausbau der landwirtschaftlichen Kernwege gesehen, da insbesondere durch den Asphalt Lebensräume zerschnitten werden können, war eine Meinung. Weitere Ansatzpunkte für mehr Naturschutz sind die Gewässerrandstreifen, die laut bayerischem Naturschutzgesetz seit August 2019 nicht mehr ackerbaulich genutzt werden dürfen sowie die Straßenränder, die Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere darstellen, wenn die Straßenränder ökologisch gepflegt werden. Speziell zum Schutz von Bodenbrütern kann von Landwirten die Produktionsintegrierte Kompensation (PiK) wie z. B. Blühstreifen am Feldrand oder sogenannte Lerchenfenster genutzt werden. Das sind gezielt angelegte Freiflächen in Feldern, die den Bodenbrütern Schutz bieten.

Ausführlicher wurde über den Ökolandbau in der Region gesprochen und wie es gelingen kann, dass mehr Menschen Bio-Lebensmittel aus der Region nutzen und kaufen. „Von Vorteil ist, dass der Landkreis bereits seit 2014 Öko-Modellregion ist und 14 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet wird“, konnte erläutert werden. In Bayern liegt der Anteil des Ökolandbaus derzeit bei zwölf Prozent und soll bis 2030 noch auf 30 Prozent gesteigert werden. Über die Ökomodellregion werden dazu bereits Seminare zur Umstellung auf ökologischen Landbau angeboten. Weiteres Potenzial liegt in der Gemeinschaftsverpflegung und konkret wurde für die Mensa des Ostendorfer-Gymnasiums überlegt, wie auf eine Bio-Verpflegung umgestellt und zugleich der Verpackungsmüll reduziert werden kann. Außerdem wurde über den Velburger Bauernmarkt berichtet, dass es für die Landwirte zunehmend schwieriger wird, den Stand mit eigenem Personal abzudecken. Auf der anderen Seite wurde eingeschätzt, dass es noch Wachstumspotenzial für Bio-Lebensmitteln gibt, die hier produziert, verarbeitet und den Verbrauchern angeboten werden.